Manche Hundehalter machen die Erfahrung, dass der Familienhund sehr unruhig und nervös ist. Gemeint sind hier weniger Situationen, in denen das Tier aufgrund äußerer Reize wie Lärm oder Feuerwerk erkennbar ängstlich nervös reagiert. Es gibt Hunde, die fast ununterbrochen aktiv sind, spielen wollen und versuchen, mit dem Halter zu interagieren. Es kann schwierig sein, einen überdrehten Hund beruhigen zu wollen.

Sie scheinen alles zu versuchen, um die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung zu erringen und sind kaum zu beruhigen. Handelt es sich dabei bei Hunden um eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS), wie sie beim Menschen diagnostiziert wird? Welche anderen Faktoren können eine Rolle spielen? Vor allem, wie kann eine zuverlässige Ruhe für das Tier erreicht werden? Dieser Beitrag setzt sich mit diesen und vielen weiteren Fragen auseinander.

Der hyperaktive Hund – Ursachen und Symptome

Ein überdrehter Junghund, der einmal täglich „seine 5 Minuten“ hat, wird meistens als sehr niedlich empfunden. Er mag dann wie ein kleiner Berserker durch Wohnung und Haus springen. Das sehen wir ihm nach, weil er noch ein Welpe und sein Verhalten alterstypisch ist. Hier fällt es uns weniger ein, den überdrehten Welpen zu beruhigen.

Das, was wir bei unseren vierbeinigen Begleitern wirklich als überdreht empfinden, geht über 5 Minuten bei weitem hinaus. Da gibt es Tiere, die tatsächlich nie zur Ruhe zu kommen scheinen. Immer bewegen sie sich, immer kauen sie an Spielzeug und Gegenständen, stets wollen sie spielen und die Aufmerksamkeit des Halters allein für sich. Manche Hunderassen scheinen eher für Hyperaktivität prädestiniert zu sein.

So gelten etwa die bewegungsfreudigen Irish Setter als sehr nervös im Vergleich mit eher schwerfälligen Mastiff-Rassen, mancher Jack Russel Terrier wirkt wie ein ständig rotierender Gummiball verglichen mit einem eher gemütlichen Mops. Dennoch lässt sich nicht alles allein an der Rasse festmachen. Der Aktivitätslevel bei unseren Vierbeinern ist häufig eine sehr individuelle Angelegenheit.

Wie kannst du deinen überdrehten Hund beruhigen?

Rasse, Erfahrungen, Haltung, Ernährung, Erkrankungen oder ADHS?

Neben rassebedingten und individuellen genetischen Voraussetzungen können weitere Faktoren dafür ausschlaggebend sein, dass das einzelne Tier besonders aktiv, nervös und überdreht wird.

Hier kommen zum Beispiel auch in Betracht:

    • besonders stressige Erfahrungen in den ersten Lebenswochen.
    • zu viele Reize für Junghunde bei fehlender alltäglicher Routine in der Haltung.
    • allgemeine Haltungs- und Erziehungsfehler.
    • nervöse und besonders aktive Halter, die ihre Unruhe auf das Tier übertragen.
    • mangelnde Sicherheit bei der Erziehung und der Ausprägung einer Rangordnung.
    • eine für dieses individuelle Tier nicht passende Ernährung (möglicherweise reagiert das Tier auf bestimmte Zusatzstoffe oder Nahrungsbestandteile mit Hyperaktivität).
    • ausgeprägte Ängste.
    • bisher nicht erkannte Erkrankungen und Schmerzen.
    • hormonelle Ungleichgewichte.
    • Bewegungs- und Beschäftigunsgmangel.
    • ADHS bei Tieren.

Nicht nur eine Ursache maßgeblich

Es ist in der Regel nicht leicht, eine Ursache für die übersteigerte Aktivität eines Hundes zu benennen. Vielfach kommen verschiedene Faktoren zusammen. Außerdem können die Reaktionen auf das Verhalten durch uns Menschen das Problem noch verschärfen.

Beispielsweise kann der Halter auf das gesteigerte Aufmerksamkeitsbedürfnis des Hundes mit harter Ablehnung reagieren, worauf das Tier seine Bemühungen um Aufmerksamkeit verstärkt. In anderen Fällen versucht der Hundebesitzer möglicherweise seinem Vierbeiner mit einem Beruhigungsmittel von seiner ängstlichen Nervosität zu befreien. Die Ängste an der Wurzel des Verhaltens geht er damit aber nicht an.

Insgesamt sollte auch die Frage erlaubt sein, ob das, was der Halter als Beruhigung des Hundes ansieht, nicht an dem typischen und charakteristischen Verhalten seines Tieres vorbeigeht. Ähnlich wie Menschen sind Hunde unterschiedlich, was ihr Wesen und ihr ganz individuelles Verhalten angeht. In manchen Situationen kann allerdings die Hyperaktivität des Tieres nicht nur nervlich belastend für den Halter sein, sondern auch gefährlich für beide.

Wenn etwa das Tier im Straßenverkehr oder allgemein in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher geführt werden kann, muss es in einem gewissen Ausmaß beruhigt werden, um den alltäglichen Umgang überhaupt gewährleisten zu können. Hier ist die Bandbreite zwischen einem einfach störenden Verhalten und einem gefährdenden Verhalten groß.

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Gibt es ADHS bei Tieren?

Aufmerksamkeitsdefizitstörungen, die unter der Abkürzung ADHS bei Menschen und vor allem Kindern in den letzten Jahrzehnten große Aufmerksamkeit erfahren haben, finden sie sich vielleicht auch bei Haustieren wie Hunden? Diese Frage ist umstritten.

Bei Menschen ist ADHS heute als psychiatrische Störung anerkannt. Sie macht sich gerade bei betroffenen Kindern unter anderem durch Hyperaktivität, fehlende Impulskontrolle und andere häufig als normabweichend beschriebene Verhaltensweisen bemerkbar. Bei Menschen werden überwiegend genetische Ursachen verantwortlich für diese Störung gemacht, bei denen sich das Selbst- Management-System im Gehirn der Betroffenen zögerlicher entwickelt als bei anderen Menschen.

Maßgeblich sollen dabei auch bestimmte Ungleichgewichte bei Botenstoffen im Gehirn sein.

(Vgl.: Thomas Brown: ADHS bei Kindern und Erwachsenen – eine neue Sichtweise. Hogrefe, 2018.

Bei Tieren wie unseren vierbeinigen Begleitern wird in der Regel eher von hyperkinetischen Symptomen gesprochen. Dabei geht es um eine Form von Hyperaktivität, die den auffälligen Verhaltensweisen bei menschlicher ADHS ähnelt. Die meisten Experten nehmen bei der Hyperaktivität der Tiere eher die bereits beschriebenen möglichen Ursachen an. So ist bei einigen Tieren die Hyperaktivität rassetypisch, altersbedingt ernährungsbedingt oder mit Haltungs- und Trainingsdefiziten assoziiert.

In seltenen Fällen kommt ähnlich wie bei der menschlichen ADHS eine Störung von Botenstoffen im Gehirn in Betracht. Diese hyperaktive, hyperkinetische Störung zeigt bei den Tieren aber noch weitere zusätzliche Symptome, die sie von bloßer gesteigerter Aktivität und Nervosität unterscheiden.

Beispielsweise werden hier zusätzlich im körperlichen Bereich:

  • Herzrasen
  • übertrieben tiefe Atemzüge
  • übermäßige Speichelproduktion
  • ein erhöhter Energiestoffwechsel
  • Harnverhalt

beobachtet.

(Vgl.: Campbell, WE. Canine hyperkinesis. Mod Vet Pract 1974; 55: 313-316.)

Verhaltensmäßig zeigen sich diese Tiere oft:

  • ununterbrochen aktiv.
  • abgelenkt.
  • auffällig durch Bellen, Aggressivität oder ständiges Kauen.
  • widerspenstig gegenüber Anweisungen.
  • als „nicht erziehbar„.

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Die Problematik der Diagnostik und helfen Psychopharmaka für dein Tier?

Da ADHS bei Vierbeinern im Sinne einer echten neurobiologischen Störung nur sehr selten ist, sind die Diagnostik und Bewertung von Verhaltensauffälligkeiten bei hyperaktiven Tieren schwierig. Sie beruhen in der Regel überwiegend auf Fragebögen, in denen der Hundebesitzer seine Eindrücke zum Verhalten des Tieres schildert.

Die Abgrenzung zu anderen Ursachen für hyperaktives Verhalten bei den Familienhunden ist sehr schwierig. Das liegt unter anderem auch daran, dass nicht alle Halter ihren eigenen Beitrag zur Hyperaktivität durch ungünstige Haltungs- und Erziehungsbedingungen erkennen wollen. Aufgrund der schwierigen Diagnostik bei hyperaktiven Verhaltensauffälligkeiten gehen manche Tieraärzte hier einen besonderen Weg.

Ähnlich wie vielen Kindern bei dem bloßen Verdacht auf ADHS ein Psychopharmaka wie Ritalin verschrieben wird, setzen sie auch bei den Tieren entsprechende Arzneimittel ein. Reagiert der Hund mit einer überzeugenden Verhaltensänderung nach Arzneimittelgabe, wird auf das tatsächliche Vorliegen einer im Gehirnstoffwechsel angelegten ADHS-Störung beim Tier geschlossen.

Diese Vorgehensweise – sie wird mit dem lateinischen Ausdruck ex iuvantibus („vom Heilerfolg ausgehend„) beschrieben – darf als umstritten angesehen werden. Dabei kommt unter anderem auch der Wirkstoff Methylphenidat zum Einsatz, der in dem bekannten Produkt Ritalin enthalten ist. Auch bei Kindern ist der Einsatz von Ritalin und anderen Psychopharmaka durchaus umstritten, weil intensive Nebenwirkungen auftreten können.

Ob es vertretbar ist, bei eher unklarer Diagnose den eigenen Familienhund mit diesen schweren Arzneimitteln zu behandeln, ist unter ethischen Gesichtspunkten kaum zu beantworten. Im schlimmsten Fall kann es darauf hinauslaufen, als Hundehalter einen vitalen, altersbedingt aktiven Junghund mit schweren Psychopharmaka zu betäuben.

Zu Recht schrecken viele Hundebesitzer vor einer solchen Behandlung zurück und wünschen sich schonende Alternativen, um das Tier ohne echte Wesensveränderung in manchen Situationen angemessen beruhigen zu können.

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Wie kann du deinen überdrehten Hund beruhigen?

Es gibt nicht wenige Hundeexperten, die bei hyperaktiven Tieren den Halter in der Pflicht sehen. Sie meinen, dass das Problem Hyperaktivität beim Vierbeiner mit Alltagsroutinen, Verständnis, Training und Verbesserungen der Haltung in den Griff zu bekommen ist. Auch sollte nicht jede überdrehte Phase eines Welpen sofort als eine behandlungsbedürftige Verhaltensstörung anzusehen sein.

Mancher Hundetyp mag hier überdrehter wirken als ein anderer, das liegt dann in seiner Rasse und in seinen Genen. Wer hier besonders belastet auf Hyperaktivität bei seinem Tier reagiert, könnte bereits bei der Wahl eines Welpen unter vielen Hunderassen auf eine ausgeglichenes Gemüt achten. Soweit der Idealfall eines verantwortungsvollen und erfahrenen Hundebesitzers. In der Realität werden viele Halter aber von dem überdrehten Verhalten ihres Hundes überrascht.

Nicht jeder Besitzer verfügt über die notwendige Erfahrung und die Kenntnisse, um mit der Situation angemessen umzugehen. Mancher entnervter Halter mag dann in Betracht ziehen, sich von seinem Tier zu trennen, weil er der das überdrehte Verhalten als Dauerbelastung ansieht. Nicht jeder bringt die Geduld und Zeit auf, auf dem Hundeplatz adäquate Verhaltensweisen zu trainieren und diese auch zu Hause umzusetzen.